24 h-Fahrt der RSG Nortorf, ein tolles Erlebnis
Montag, den 28. Juni 2010 um 19:23 Uhr
Am 26. Juni um 10 Uhr startete in Nortorf eine norddeutsche Premiere: Eine 24 Stunden-Fahrt (für einige auch ein 24 Stunden-Rennen). Eine traumhafte Veranstaltung, die einen etwas längeren Bericht verdient hat.
Ein riesen Kompliment an Bernd Schmidt und sein erstklassiges Helfer-Team. Die Nortorfer stellten mal wieder eine perfekt organisierte Veranstaltung auf die Beine.
29 Einzelfahrer (darunter 5 Frauen), 7 2er-Teams sowie 18 4er Teams - insgesamt also 115 Teilnehmer - machten sich auf die lange Reise.
6 Kattenberger waren dabei:
Andrea und Dirk starteten als Einzelfahrer, Andreas Fiedler, Siggi, Rajko und ich starteten als 4er-Team.
Zentrum dieser Veranstaltung war die Gemeinschaftsschule in Nortorf.
In den Klassenräumen haben die Fahrer ihr Quartier aufgeschlagen, Sanitäre Einrichtungen einschließlich der Duschen konnten genutzt werden und in der Aula der Schule wurde ein Buffet aufgebaut, welches keine Wünsche offen ließ. Warme und kalte Speisen, von süß bis deftig, hier war wirklich für jeden Geschmack etwas dabei.
Gefahren wurde auf einem 28 km langen Rundkurs. Ziel war es, möglichst viele Runden in 24 Stunden zu absolvieren. Bei Rundengleichheit zählte die schnellere Zeit.
In den Teamwertungen waren sämtliche taktische Spielereien erlaubt. Einzige Regel: es kann nur einer zur Zeit gewertet werden (wenn die 4 Fahrer einer 4er-Mannschaft eine Runde gemeinsam fahren, wird das Rundenkonto trotzdem nur mit einer Runde belohnt).
Die Rückennummer war mit einem Barcode versehen. Start- und Zielbereich befanden sich in einem Zelt (unsere „Boxengasse“). Ist ein Fahrer auf die Strecke gegangen, wurde seine Nummer gescannt, bei Rundenende ebenso. Hierdurch war zu ersehen, wer wie viele Runden gefahren ist.

Die Rahmenbedingungen waren somit ideal. Das Wetter war sonnig mit wenigen Schleierwolken, also nicht zu warm. Nachts kühlte es allerdings empfindlich ab (7 °C und Nebelbänke).
So lief es für Andrea:
Sie wagte sich als Einzelfahrerin auf die lange Tour. Die Strecke meisterte sie alleine in ihrem eigenen Tempo. Schlaf-Pausen erlaubte sie sich keine. Lediglich kurze Stopps zur Erholung und Nahrungsaufnahme gönnte sie sich. Hierbei kam sie auf eine stolze Summe von 17 Runden, was einer Gesamtstrecke von 476 km entspricht, tolle Leistung! Hiermit erreichte sie dann auch den 3. Platz in der Damenwertung.

Wie erging es unserem Dirk ?
Dirk - unterwegs in den Farben seines neuen Sponsors - ist ja langstrecken-erprobt.. Schon nach wenigen Runden hatte sich da eine Gruppe von 4 Einzelfahrern zusammen gefunden, die von nun an die Tour gemeinsam unter die Räder nahm. Stopps etc. wurden abgestimmt und so lief die Gruppe sehr flott. Geschlafen wurde auch hier nicht. 25 Runden / 700 km wurden in den 24 Stunden absolviert und der Veranstalter ehrte alle 4 Fahrer gemeinsam mit dem 2. Platz.
Unser 4er-Team
Diese Veranstaltung sollte ja quasi unsere Generalprobe für „24 Stunden Rad am Ring“ sein. Wir alle hatten noch keine Erfahrungen hinsichtlich Krafteinteilung, Pausengestaltung etc. für eine derartige Belastung.
Um 10 Uhr erfolgte der gemeinsame Start sämtlicher Teilnehmer. Es war zu erwarten, dass es nach der ersten Runde in der o.g. „Boxengasse“ voll werden sollte. Also muss man sehen, dass man vor den anderen da ist: Kette rechts, Lenker unten anfassen und kräftig drücken. Ortsausgang Nortorf waren wir nur noch zu 5 und kreiselten geschmeidig flott den Rundkurs ab.
Bereits nach 3 Runden hatten sich die Mannschaften sortiert. An der Spitze waren wir mit dem Team des RST Malente. Dann gab es ein paar Minuten Abstand bis die nachfolgenden Gruppen kamen. Mit kleinen Attacken fühlte man sich auf den Zahn aber es wurde schnell klar, dass wir einen vergleichbaren Leistungsstand hatten wie die Kollegen aus Malente. Also setzten wir uns kurz zusammen und schlossen einen „Friedenspakt bis zum Morgengrauen“. Bis dahin veranstalteten wir ein harmonisches Paarzeitfahren. Immer einer aus Malente mit einem von uns, Fahrerwechsel nach einer Runde. Die Rundenzeiten lagen zwischen 42 Minuten und ca. 50 Minuten in der Nacht, was somit einem Schnitt von 34 bis 40 km/h entsprach.
Die erste Rennhälfte sind wir fast etwas übermotiviert ans Werk gegangen. In der 4 Runde fühlten sich meine Beine schon recht schwer an und ich stellte mir schon die W-Frage: wiese / weshalb / warum tust du dir das an ? Siggi ging es ähnlich. Und da die auf Platz 3 liegende Mannschaft sich schon eine Runde im Rückstand befand, drosselten wir das Tempo ein wenig.
Im Gegensatz zu den Einzelfahrern hatten wir den großen Vorteil, dass wir nach einer gefahrenen Runde gute 2 Stunden Zeit zur Erholung hatten. Umziehen, essen, Beine kurz hochlegen. Einige konnten sogar ein kleines Nickerchen machen. Aber dann ging es auch wieder in die Radklamotten. Die Muskulatur wurde auf einer kleinen Einheit auf der Rolle auf Betriebstemperatur gebracht und dann wieder auf die Bahn: ¾ Stunde oberer G2/EB.
Im Morgengrauen wurde dann an der Schultafel unser Schlachtplan entwickelt. Variante 1, Variante 2 etc., Zeiten hochgerechnet usw.

Kurz nach 6 Uhr starteten wir unsere erste Rakete:
Siggi fuhr seinem Mitfahrer auf und davon. Direkt nach dem Start entschuldigte er sich bei ihm für die bevorstehende Attacke und drückte dann in alter Zeitfahrerqualität einen wahnsinnigen Vorsprung von 9 Minuten raus.
Das war gut, denn als nächstes startete der stärkste Fahrer des RST Malente. Es war klar, dass er einiges an Zeit gut machen würde. Aber Andreas, der nach Siggi gestartet war, gab ebenso alles und somit wurde der Vorsprung lediglich um knappe 2 Minuten verkürzt.
Jetzt kam unsere nächste Offensive:
Rajko und ich gingen gemeinsam auf die Strecke. Wie bereits oben beschrieben, brachte es uns keinen Vorteil hinsichtlich der Rundenzahl aber wir konnten ein deutlich höheres Tempo fahren: Paarzeitfahren am Anschlag. Somit hatten wir den Kollegen aus Malente noch mal über 2 Minuten abnehmen können.
Für eine Runde war nun noch Zeit. Alle 4 rauf auf die Strecke und in großer Vorfreude die Strecke genießen (soweit die völlig übersäuerten Beine es noch zuließen).
Unsere Taktik war zu 100 % aufgegangen. Unseren letzten Joker brauchten wir nicht mehr ziehen: wäre die „gegnerische“ Mannschaft auf uns aufgefahren hätte sich Rajko – als bester Sprinter von uns - an die Gruppe gehängt (ihn hatten wir als Fahrer der letzten Runde scannen lassen) und es wäre auf einen Zielsprint hinaus gelaufen.
Doch so sind wir als geschlossene Mannschaft nach 30 Runden / 840 km mit deutlich mehr als 10 Minuten Vorsprung auf das Siegertreppchen gekommen.

Eine traumhafte Veranstaltung, die weitaus mehr Teilnehmer verdient hätte.
Bei einer hoffentlich stattfindenden Wiederholung im nächsten Jahr sollten wir versuchen, mehr Fahrer an den Start zu bekommen (zum Vergleich: die Sportsfreunde aus Büdelsdorf sowie Barmstedt waren mit jeweils 4 4er-Mannschaften am Start).
Das Leistungsniveau der Teilnehmer ist so weit gefächert, dass man auch als einfach trainierter Radsportler keine Scheu haben braucht, daran teilzunehmen. Belohnt wird man mit einem unvergleichlichen Erlebnis.
Geglänzt hat unser Verein übrigens wieder durch Heike und Stephan Sturm. Gibt es eine Radsportveranstaltung in Norddeutschland, auf der sie nicht helfen?
Gemeinsam haben sie viele Stunden in der Boxengasse verbracht und die ein- und ausfahrenden Sportler erfasst.
Interessiert es euch, wie andere Fahrer die Veranstaltung erlebt haben ? Dann schaut hier:
http://forum.helmuts-fahrrad-seiten.de
Jochen
ein weiterer Bericht - 24-Stunden von Nortorf
aus der Sicht eines 4er-Team-Fahrers (ausdrücklich MIT persönlicher Färbung)







