Ein Erlebnisbericht von Dirk Ehling
Der älteste Radmarathon der Welt, die legendäre Radfernfahrt Paris-Brest-Paris wurde vom Kattenberger Dirk Ehling erfolgreich in 57:01 Stunden absolviert. Damit blieb der Dirk nicht nur unter seinem Zeitplan von 60- 65 Stunden, sondern er verbesserte seine letzte Finisherzeit aus 2007 sogar um fast 12 Stunden!! und war damit auch einer der schnellsten Schleswig-Holsteiner.
Hier sein Bericht:
Ganz ohne Probleme verlief mein diesjährige Saisonhöhepunkt nicht : 2 ½ Stunden Wartezeit vor dem Start in der Sonne waren schon grenzwertig, daher wahrscheinlich auch die aufgetretenen Magenprobleme nach 280 Kilometer, eine Gewitterfront mit Starkregen in der 2. Nacht und einem technischen Defekt währenddessen erschwerten die Weiterfahrt. Aber gerade diese Unwägbarkeiten und deren Bewältigung machen den besonderen Reiz dieses Superbrevets (franz. Prüfung) aus.
Schnell mal 100km fahren kann ja jeder. Aufgrund dessen wurde die geplante Schlafpause vorverlegt, was sich als Glück erwies. Nach gut 3 Stunden pausieren waren die Radsachen etwas getrocknet und das Gewitter vorübergezogen. Schon früh traf ich Walter aus Freiburg und kurz darauf Urs, einen Schweizer, die in etwa mein Tempo und auch (fasst noch wichtiger) meinen Rhythmus fuhren. Obwohl wir uns bei den Kontrollen gelegentlich verpassten, trafen wir uns auf der Strecke irgendwie immer wieder und sind so auch bis ins Ziel zusammengefahren. Brest (612km), die weiße Küstenstadt am Atlantik, erreichten wir als Wendepunkt schon nach noch nicht mal 25 Stunden Fahrzeit. Nach nur einem kurzen Stopp machten wir uns auf den Rückweg. Die etwas verlängerte Strecke von 1250 km verlief hauptsächlich auf verkehrsarmen Nebenstraßen. Der französische Asphalt erwies sich ebenso wie der vorherrschende Nordwestwind als ständiger Gegner. Der Straßenbelag war teils rau, teilweise miserabel manchmal sah er auch aus wie ein Ravensburger Familienpuzzel - es fehlten öfters großflächige Teile der Oberdecke. Ein ständiges Rütteln machte den Händen, dem Hintern und Oberarmen sehr zu schaffen und ein gleichmäßiges Treten/Fahren schier unmöglich. Außer einer empfindlichen Druckstelle am Gesäß traten keine nennenswerten körperlichen Beschwerden auf (die Story mit der Leihhose erzähle ich auf Anfrage). In der dritten Nacht sorgte ein verkehrt gehängter Richtungsfall für zusätzliche Kilometer, allerdings ist für Langstreckenfahrer ja bekannter Weise „der Weg das Ziel" – und es gibt keine falschen Wege – manchmal irrt man sich in der Richtung. Auch wenn es keine nennenswerten Berge zu überwinden galt, ca. 10.000 Höhenmeter waren insgesamt doch zu bewältigen. Gerade die Schlussetappe hielt noch einige Steigungen und Collins (Hügel) bereit. Die Pausenzeiten an den Kontrolldurchfahrten wurden planmäßig kurzgehalten, trotzdem waren keinerlei Erschöpfungsmerkmale zu spüren. Keine schweren Beine und auch der sogenannte und gefürchtete „tote Punkt" blieben aus. Da zahlt sich natürlich meine sehr umfangreiche Trainingsvorbereitung und die erworbenen Langstreckenerfahrungen aus. Gerade mental sind Strecken mit Nachtfahrten immer sehr anspruchsvoll und herausfordernd. Die Begeisterung der Franzosen an und auch auf der Strecke, bei Tag und bei Nacht, macht einen großen Teil des Flairs und des Mythos von PBP aus.
Ich bin jedenfalls sehr zufrieden mit der erbrachten Leistung und es hat fast alles für ein perfektes „Rennen" gepasst. Insgesamt waren wieder über 5500 Radler aus aller Welt in Paris an den Start gegangen, wobei die deutschen Randonneure mit 453 gemeldeten Startern diesmal die größte ausländische Rennequipe bildete.
4 Jahre Vorfreude, ein ¾ Jahr Vorbereitung und 6 Monate intensives Training ergaben 57:01 Stunden Fahrspaß pur. So wurde aus dieser Megatour keine Tortour, sondern ein wunderbare französische Radtour – Prüfung mit Bravur bestanden.
Dies wurde Dank der Unterstützung von merkur-druck.com und weiteren Sponsoren, aber auch durch das Verständnis und Hilfe meiner Familie, Freunde und einiger Vereinskollegen ermöglicht.
Mit dem positiven Gesamtergebnis dieser Tour und der diesjährigen gezeigten Leistung, schaue ich zuversichtlich auf den Start als Einzelfahrer beim „Race Around Austria" 2012.
Anmerkung: Diese 1200km kann jeder gut trainierte RTF/Marathonfahrer als Etappenfahrt planen und durchstehen. Das Zeitfenster von max. 90 Stunden lässt genug Platz fürs Schlafen. Alles andere ist reine Kopfsache. Bei Interesse, Fragen oder alles andere – gerne bei mir melden. PBP ist nicht unmöglich, ein tolles Event und Radsportkultur pur.







