40 km/h+, Kopfsteinpflaster und Berliner Schnauze

Beim diesjährigen Finale des Radmarathon-Cup Deutschland von german cycling trafen sich Sebastian S. und der dirk direkt vor dem Berliner Olympiastadion. Eine beeindruckende Startkulisse für „Rund um Berlin“.

Berlin-Westend, 13. September 2026, Olympiastadion, morgens um 7 Uhr = Sebastian und ich, der dirk, verabredeten uns für den letzten Radmarathon in der RMCD-Serie. Für uns beide war es jeweils der erste Start bei dieser Veranstaltung. Die heutige Tagesaufgabe für diesen mittlerweile Radklassiker, zum 36. Mal, bestand aus 232 Radkilometer bei knapp 600 Höhenmetern. Der Wetterfrosch wurde Lügen gestraft – es blieb größtenteils trocken (von oben), relativ warm für kurz-kurz und es schien immer wieder sogar die Sonne durch die Wolken. Ja, Wind gab es auch auf die Nase.

8 Uhr, START: In 15`er Gruppen wurde gestartet, ich befand mich in der ersten SG. Im Renntempo ging es die ersten Kilometer durchs Hochrisikogebiet Berliner Stadtverkehr. 35 – 38 – 40km/h+ ist für mich Langstrecken- bzw. Brevetfahrer weder das richtige Starttempo noch meine übliche Reisegeschwindigkeit. Dazu kamen die vielen Stopp&Go´s an den roten Ampeln und der Ziehharmonikaeffekt in den größer gewordenen Gruppen. Löcherzufahren bei dem Tempo ist eben so wenig Meins. Dafür habe ich weder das Radmaterial noch das entsprechende Training. Meine Muskeln verarbeiteten noch die Fahrt „B-DO“ vom letzten Wochenende. Egal, erstmal die Gruppe halten, bis zum ersten Depot. Das kam allerdings erst bei Kilometer 70. Viel Durchhaltewille war gefordert.

Die Strecke: Im Uhrzeigersinn ging es um die Hauptstadt.Erstmal durch Spandau und weiter durch Falkensee, Henningsdorf und Bernau. Gefahren wurde ausschließlich nach Track. Auf den brandenburgischen Straßen herrschte heute wenig Verkehr. Teilweise ergaben sich aber doch einige unschöne Situationen mit unentspannten Autofahrern betreff gewagte bzw. gefährliche Überholvorgängen. Auch ich „spürte“ einmal die Wagenfarbe auf meinem linken Oberarm, ein Pickup mit langem Hänger. Puh, das waren echt knappe 30 cm oder weniger. Ab Füstenwalde/Spree ging es westwärts und damit gegen den Wind weiter. Auf die wenigen Depothinweisschilder musste man stark achten. Königs Wusterhausen, Teltow und Kleinmachnow waren nachfolgend die größeren Ortschaften vor dem Berliner Stadtgebiet. Einige schöne und unschöne Kopfsteinpflaster- bzw. ruppige Streckenpassagen rüttelten am Lenker. Danach oder dadurch gab es vermehrt defekte Reifen.

Insgesamt waren 15! Berliner Radsportvereine heute für etwa 400 Marathonis aktiv. Die 4 Depots bei KM70 ,122 ,175 und bei KM 212 waren mit allem grundlegenden, jedoch für einen Radmarathon und fürs Finale vom RMCD nach meinem Empfinden unterdurchschnittlich ausgestattet. Nix richtiges Energiehaftiges. 

Unterwegs ergaben sich trotz der Tempoarbeit im Sattel bei mir einige nette Gespräche mit Mitfahrern. Das Berlinirische ist immer wieder schön zu hören – klar und direkt. Mit unseren Vereinsfarben fielen wir aus dem Einheitslook (rapha, van rysel, maap,…) klar auf. Es gab ohnehin nur knapp ein Dutzend erkennbarer Vereinsfahrer. Mit am Start war auch Bärbel Knobbe vom audax club sh als Vorjahressiegerin bei der GC-Wertung.

Sebastian traf ich beim Verlassen von Depot 2. Nach der vorletzten Kontrolle fuhr eine Gruppe mit ihm auf mich Solofahrer auf. Ein willkommener Windschatten. Eigentlich wollten wir beide auch das letzte Depot nutzen. Die Gruppendynamik hatte was dagegen und schups waren wir an der Kontrolle vorbei. Egal, die restlichen 20 Kilometer sollten auch so gehen. Meine Beine wurden merklich schwerer und die Energiereserven schwanden. Nach 220 absolvierten Radkilometern wurde das Dach der Tour von uns noch erklommen. Im Grunewald ging es den legendären „Willi“ hinauf = 86 Höhenmeter bei Ø 4,5% & max 6% Steigung, auch Karlsberg genannt und ein bekannter Trainingshügel im Berliner Westen.

Im Ziel: Auf dem großen Parkplatz vor dem Olympiastadion empfing uns nicht nur der Veranstalter, sondern es schien uns versöhnlich auch die tiefstehende Sonne ins Gesicht. 232 Kilometer erfolgreich, ohne Defekt, Panne oder Sturz gemeistert. Fahrzeit, brutto, knapp 8 ½ h. Sebastian hat sich damit erstmalig das RMCD Finisher-Trikot geholt. Gratulation dazu! Wir waren uns einig, es hat trotz allem „Spaß“ gemacht&gebracht und BERLIN ist immer eine Rad – Reise wert.

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