„HH-W-B-HH“ der dirk on tour #3

Erstmalig gab es ein 1000er ARA-Brevet in Hamburg. Ein limitiertes Starterfeld sollte die Strecke, die Gegebenheiten auf dieser und auch die Kontrollen auf Tauglichkeit prüfen. Diese Premierenfahrt „Hamburg-Wasserkuppe-Brocken-Hamburg“ wollt/konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen.

Start war am Donnerstag, 3. Juli 2025 um 19 Uhr. Eigentlich favorisiere ich keinen Abendstart, starte ungern in die Nacht, Ausnahmen bestätigen aber auch hier die Regel. Mit 12 weiteren Randonneuren bin ich ab HH-Rothenburgsort zu meinem 3. Saison-Highlight gestartet. Nach den Elbbrücken befand ich mich in alsbald in der 7er „Führungsgruppe“.

Planung ist alles und das ZIEL ist das Ziel

Nach genau 60 Kilometer gab es die erste Möglichkeit die Trinkflaschen aufzufüllen. 3 Mitfahrer fuhren ohne Stopp weiter und somit schrumpfte meine Fahrgruppe merklich. Mit Thorsten bin ich dann weitergefahren und mit ihm immer wieder während der gesamten Tour streckenweise. Zum Glück nutzte ich diese Chance der Versorgung, die 1. Kontrolle – eine Tankstelle – war nämlich um 23:45 Uhr bei KM 121 geschlossen. Also ein Foto gemacht und weiter ging es durch diese erste Nacht. Ab hier erstmal alleine weitergefahren.

leichte Kilometerabweichung vom Plan / KP2

Kontrollpunkt 2 war auch eine Tankstelle. Und auch diese war geschlossen, noch. Zusammen mit 3 weiteren Radfreunden wartete ich 1 Stunde in der frischen Morgendämmerung auf heißen Kaffee, frische Brötchen und etwas Wärme. Die beiden Trinkflaschen wollten auch gefüllt werden und ein Besuch des WC´s war auch nötig. Pünktlich 5Uhr ging die Tür für uns auf.
Am Harz wurde anschließend rechtsseitig vorbeigefahren und das Bundesland Hessen erreicht.

Rotenburg an der Fulda – KM 359 – KP4 – erreichte ich auf guten Radwegen am Freitagnachmittag bei bestem Sonnenscheinwetter. Entlang der Fulda gings Richtung Fulda. Mein heutiges Etappenziel. Dort hatte ich ein Doppelzimmer gebucht. Der irische Radkollege hat aber seinen Start abgesagt. Thorsten aus Hamburg hat dann diese offene Gelegenheit für eine Übernachtung für sich genutzt. Das Hotel lag genau auf dem Track und dazu auch noch direkt neben dem Kontrollpunkt KP5 – KM462. Das Doppelzimmer teilte ich mir mit Thorsten, genau wie bei der zweiten Übernachtung. Zeitlich war ich sehr gut im Plan und die ÜN auf dem Punkt richtig. Abendbrot a la ALDI, und nach einer ausgiebigen Dusche für gut 5 Stunden die Augen geschlossen. Ohne Frühstück planmäßig gegen 5 Uhr mit Thorsten weiter. Der Milseburgradweg war genial zu fahren, mit schönen Aussichten (z.B. Burg Bieberstein) und Deutschlands zweitlängstem Radtunnel (15925 m). Diesen Bahntrassenradweg folgten wir kilometerlang. Wunderschön, auch wenn´s stetig bergan ging. Und um diese frühe Uhrzeit menschenleer, kein Gegenverkehr.

Freitagabend, Fulda „Abendrot – Schönwetterbot“
Ups, zum Glück ging der Track links dran vorbei 😉
7Uhr10, Wasserkuppe – KP6 – KM508,4

Die Wasserkuppe ist mit 950 m ü. NHN Höhe der höchste Berg der Rhön und zugleich die höchste Erhebung in Hessen. Hier bei Gersfeld liegt auch die Quelle der Fulda.

Bergfest hoch2

Ab der Wasserkuppe (KM508) glich der Track dem „Deutschland-Brevet“, das nahezu 100%. Auch zeitlich war ich an denselben Orten wie vor 6 Wochen. Hatte Vor- und Nachteile. Frühstück und Morgenwäsche wieder bei edeka in Tann. Entlang der Werra nach Creuzburg. Hier gab es Mittag für mich und Thorsten gesellte sich dazu. In Mühlhausen (14:30Uhr) habe ich für uns das 24h Hostel in Wernigerode online gebucht. Diesmal war ich vorbereitet und wusste, wo ich nach dem Brocken in der 3. Nacht schlafen konnte. Eine kilometerlange Fahrbahnerneuerung mit saftigem Rollsplitt ließ mich an die Qualität meiner Conti 4-Season Reifen glauben/hoffen. Jetzt und hier und auch später – BITTE keine Reifenpanne! Die neuen Reifen haben wiedermal ihren Dienst getan und durchgehalten.
Kurz vor dem Harz noch ein kurzer Versorgungsstopp in Walkenried. Über Zorge, Elend, Schierke fuhr ich auf den Höhepunkt dieser Tour, den Brocken. In Schierke kam von hinten ein Krankenwagen mit Blaulicht und überholte mich. Auf halbem Wege nach oben stand dieser mittig auf der Straße. Grund: Ein Mountainbiker ist mit seinem E-Bike gestürzt. Vorsichtig konnte ich am Krankenwagen vorbeirollen.

Der Brocken, das Höchste im Norden – 1141m ü. NHM – 20:40 Uhr am Samstagabend

Nach dem (Wander)Stempel in meiner Brevetkarte (KP9) und nach einigen schönen Fotos, ging es für 30 Kilometer bergab bis nach Wernigerode. 35km/h, 52km/h,65km/h – einfach laufenlassen. VOLLBREMSUNG!! „Christoph 37“, der Heli der Luftrettung versperrte mit noch laufendem Rotor den Weg. Ca. 20minütiger Zwangsstopp für mich. Der Mountainbiker hat sich wohl erheblich verletzt. Hinter dem Bahnhof Drei Annen Hohne traf ich Thorsten und Morten, Liegeradfahrer des Audax Club SH, und wir fuhren zusammen bis nach Wernigerode. Mein Übernachtungsangebot lehnte Morten dankend ab, wollte lieber noch ein Stück weiter fahren. Thorsten und ich checkten gegen 22Uhr in unser Hostel ein.

24h Check-in, ohne Personal, die Eingabe des Zahlencodes war ne echte Herausforderung

Frühstück gab es an der ARAL Tankstelle (KP10) kurz nach der Weiterfahrt 10 vor 5Uhr.
Es gab sehr heißen Kaffee vom Nachtschalter. Diesen kühlte ich notgedrungen
mit kaltem Kakao runter und es gab Kekse und eine Banane vom Vortag.
Wiedermal trennten sich die Wege von Thorsten und mir.
Letztmalig.

256 Kilometer heutige Tagesaufgabe

Auf regennassen leeren Straßen ging es weiter nordwärts. Einsetzender leichter Niederschlag brachte kurz die Regenjacke gedanklich ins Spiel. Aber – Nein Danke! Einen geöffneten Bäcker suchte ich in dieser Gegend vergebens. Die heutige Tagesaufgabe bestand „nur“ aus einem längeren Radmarathon mit einigen Höhenmetern. Der 25 Kilometer lange Höhenzug Elm, südöstlich von Braunschweig, zog sich etwas hin, hat Zeit gekostet. Dafür entschädigte die lange Abfahrt nach Königslutter für die Anstrengung.
Erst in Wolfsburg-Fallesleben (KM 896) gab es das langersehnte Sonntagsfrühstück beim Bäcker. Die restlichen Kilometer vergingen wie im Fluge, vor allem Dank des SüdWest-Windes = Schiebewind. Hankensbüttel, Uelzen, übern Elbe-Seitenkanal, vorbei an Lüneburg, Elbbrücke Geesthacht, alles bekannt, tausendmal gefahren. Hamburg ich komme! Alleinig der jetzige Wind von vorne bremste mich. Nach der letzten Kontrolle, Stempelzange an einem Zaun, realisierte ich, ich könnte tatsächlich meine geplante Ankunftszeit 18 Uhr einhalten. Also jetzt nicht trödeln, Dirk.
Durch Vierlande am Elbdeich alleine gegen den Wind, nicht gerade toll, mein radsportlicher Ehrgeiz war jedoch geweckt und die Muskeln folgten dem Geist. Hinter Allermöhe gab ich noch mal alles und fuhr mit gut 30km/h und mehr gen HH-Rothenburgsort. Zum Glück gab es nur eine (rote) Ampel zu bewältigen. 17:48Uhr -35/37km/h auf dem Moorfleeter/Kaltehofer Hauptdeich. Vollgas. Punktlandung!! 17:59:45Uhr!

Die gelbe (analoge) Brevetkarte dokumentierte meine 3. Reise durch halb Deutschland

Ende gut – Alles gut

Mit knapp 8.000hm und 1025 gefahrenden Radkilometern ging auch mein 3tes Langstrecken-Brevet glücklich, ohne Probleme, Defekt oder Sturz über die Bühne. 71h Bruttofahrzeit. Ohne Blessuren oder Krämpfe angekommen. Im Ziel hatte der Bäcker noch geöffnet. Perfekt, so konnte ich mich direkt mit allerlei Leckereien für den Heimweg, selbstverständlich mit dem Rad, stärken. Meine ausgefüllte Brevetkarte mit allen Eintragungen und Quittungen wanderte in den dort bereitgestellten ARA-Briefkasten. Thorsten habe ich dann noch beim Bäcker getroffen und konnte mich von ihm verabschieden.

Das Tripple habe ich körperlich gut überstanden. War nie am Limit oder zu lange im roten Bereich. Das Finish nie in Gefahr. Mental immer positiv denkend. Bin oft und viel alleine in meinem Tempo bzw. Rhythmus gefahren. Ernährung und Schlafpausen haben gepasst.
Wasserkuppe und Brocken an einem Tag, wer kann das schon erleben bzw. erfahren.
Nun mach ich erstmal Pause von der Laaaaangstrecke, bis „LONONEDINBURGHLONDON“ Anfang August, meinem absoluter Saisonhöhepunkt 2025.

Good luck und have more fun

www.londonedinburgklondon.com / LEL

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2 Kommentare
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Jana
4 Monate zuvor

Verrückt, der Dirk! Aber das braucht’s wohl auch ein wenig dazu. Was für eine beeindruckende Leistung. Selbst beim Lesen des Berichts bleibt mir die Luft weg. Bin gespannt auf die nächste Tour und fieber gerne wieder mit. Eine Erfahrung an Land und Leute, die sicherlich unvergesslich bleibt! Das sind dann wohl unbezahlbare Lebensschätze!