Das war Paris-Brest-Paris 2023

gutgelaunte holsteinische Randonneure

4 Jahre Vorfreude, 4 Jahre Training, eine Vorqualifikation, 200, 300,400 und 600 Kilometer als Quali-Brevet-Serie, intensive Planung und Organisation, 1240 Eventkilometer = PBP 2023 vom 20. – 24. August

Rambouillet, Frankreich, Donnerstag, 24. August 2023, 16 Uhr, die offizielle Finisherzeit von 90h ist abgelaufen und somit ist „PARIS BREST PARIS“ 2023 auch schon wieder Geschichte. Wir, Uwe Q., Jörg B. und der dirk haben den Mythos von PBP gelebt und erfolgreich die Geschichte mit- bzw weitergeschrieben.

erfolgreiche und glückliche RSC Kattenberger mit dem PBP-Eventtrikot und der tollen Finisher-Medalie
 
Jörgs persönlicher Bericht: Mein Erlebnis PBP

„The first time ist the best time !“ Mit diesen Worten kommentierte der technische Prüfer 2015 meine erste Teilnahme an dieser Traditionsfahrt im Mutterland des Radsports. Ich bin 2019 erneut gestartet und in 2023 ein drittes Mal.

Natürlich war es immer ein Erlebnis. In meinen Vorberichten habe ich mich dazu ja näher geäußert. Im Nachhinein komme ich zu der Ansicht, daß jener technische Prüfer eine wahrlich zutreffende Prophezeiung getroffen hatte.

Was veränderte sich von 2015 bis 2023 ? Auf einen Punkt gebracht: das Niveau der Versorgung in den Depots und die überlaufenen Stände der unterstützenden Bevölkerung an der Strecke. 2015 stand in Tinteniac noch ein Koch in seiner weißen Kochtracht mit weißer Kochmütze hinter dem Tresen und warf einen prüfenden Blick auf die ortstypisch kreierten Spezialitäten. Inzwischen haben wohl Cateringunternehmen die Essensversorgung übernommen und liefern einfachste Massenware die m.E. lieblos in die Essensbuffets „geknallt“ werden. Die Warteschlangen der Randonneure an den Essensausgabestellen werden immer länger, die sanitären Anlagen versinken im Chaos: nasse Böden, fehlende Seife, Papiertücher und Warteschlangen an den Übernachtungshallen.

Ich  stelle fest, daß mir der Genuß bezüglich der Versorgung immer weiter verlorenging, hingegen war natürlich die Wahrnehmung der Bretagne klasse ! Tolle Wälder, aber auch  riesig große Felder, alte Dörfer, schöne Kleinstädte waren eine Augenweide. Dies wieder radelnd zu durchfahren war für mich ein erfüllendes Erlebnis, ein Gefühl ganz mit sich selbst, dem Rad und der Landschaft verbunden zu sein. Und wie es der Ur-vater des deutschen Brevetfahrens, Claus Czycholl , sagte: …“im Flow fahren…“ Das ist eine Art tieferfüllende Trance – herrlich !

Ich habe Paris-Brest-Paris nun dreimal erlebt. Alle guten Dinge sind drei. Die Welt ist groß, und es gibt noch ganz andere lockende Landschaften.Im letzten Jahr habe ich auf meiner Tour von London nach Edinburgh und zurück drei Finnen kennengelernt. Nun liebäugel ich mit einem Brevet durch dieses Land.

Mit Randonneursgrüßen

Jörg B. 

 

der dirk on tour

Für die 4. Teilnahme (2007, 2011, 2015 – 2019 gab es eine Auszeit) habe ich für mich das Motto “ Reisen statt Rasen“ gewählt und das Event als Ganzes gesehen. Die diesjährige (norddeutsche) ARA-Brevet-Serie als Quali war eine echte Prüfung, wettertechnisch (zu kalt, zu nass, windig) und somit auch mental sehr herausfordernd. Das 600er Brocken-Brevet ab Hamburg und das Super-Brevet „Berlin München Berlin“ als one-way Strecke für mich, waren gleichermaßen Trainingshöhepunkte und Gradmesser für meine Fitness. Somit war ich auf den Punkt topfit und startklar. Meine Topzeit von 57 h wollte ich diesmal aber nicht unterbieten. Für meine Tour in der 80 Stunden Gruppe hatte ich mir einen persönlichen 70 Stunden Fahrplan ausgearbeitet, mit viel Zeit für Pausen, Fotostopps an den richtigen Stellen und Kontaktpflege -auf und auch neben dem Rad. Die Wettervorhersage für die nächstern Tage war bestens und somit konnte ich getrost die Regensachen über Bord werfen und mit leichtem Gepäck (etwas mehr als 3 Kilo) unterwegs sein. Rad und Equipment waren ausgiebig getestet und optimiert worden, und sind abfahrbereit. Start am Sonntag, 20.08., 3. Startblock, C-242, um 16:20 Uhr in kurz-kurz.

Irgenwie hatte ich das stetige Auf & Ab nicht mehr so im Bewußtsein und kam schwer in meinen Rhytmus. In wechselnden Gruppen ging es aber zügig voran. In den bekannten Depots gab es die üblichen Serviceleistungen für die Fahrer und das Bike. Trotz der hohen Teilnehmerzahl ging es in den Kontrollen zügig voran, mit wenig Wartezeiten oder Staus. Die freundlichen und hilfsbereiten Helfer gaben ihr Bestes für uns Radfahrer. Neu waren einige zusätzliche kleinere Depots, für die Grundversorgung mit Getränken. PBP ist das einzige Brevet mit einer Strecken-Ausschilderung, nachts mit reflektierenden Pfeilen – Navigation also kein Problem. Die Begeisterung der Anwohner an der Strecke war wieder unbeschreiblich und auch bei der 20ten Austragung ungebrochen. So kam ich spontan in den Genuß eines bretonischen Abenbrots an der Strecke, inclusiv einem Glas Rotwein, können auch zwei gewesen sein. Der Nachthimmel in der Bretagne war sternenklar und atemberaubend – und eine kurze Pause wert. Brest erreichte ich dann auch leicht verspätet, aber entspannt nach 31 Stunden Bruttofahrzeit. Hier machte ich, wie geplannt, eine größere Pause. Nach einer Dusche und mit einer frischen Radhose, ging es gut gestärkt und motiviert in die zweite Nacht. Gruppenfahren wurde jetzt immer seltener, aber kein Problem für mich. Da ich genau im Zeitplan unterwegs war, konnte ich meine To-do-Liste so nach und nach zielorientiert abarbeiten und war mit mir und der Welt zufrieden. Sowohl auf dem Weg nach Brest, als auch retoure traf ich gelegentlich einige Radfreunde von mir, Uwe und Jörg jedoch nicht.

Nach der letzten Kontrolle, Dreux – km 1177, ging es im Expresstempo Richtung Rambouillet. Anfangs noch in einer 15er Gruppe ging es mit 35 – 37 kmh über die Wellen und Anstiege. Ich hatte nun die 75 Stunden im Blick und machte weiter Tempo. Die letzen 20 Kilometer fuhr ich dann, abwechselnd in der Führung, mit einem Franzosen im Duo richtig gut, richtig schnell. Zum Ende nochmal Spass haben. Bin nach 74:42:49 h // 1242 Kilometer // mit Jubel der Zuschauer unterm Zielbogen durchgerollt.

Auf meiner To-do-Liste konnte ich alle Punkte abhaken, alle bis auf einen – ein französiches Bett finde ich vieleicht beim nächsten Mal. Ein schöner Anreiz für 2027. Das eingetauschte brasilianische PBP-Radtrikot passt perfekt und sieht super aus, zu schade um es nur im Schrank hängen zu haben. Also auf zur nächsten (großen) Tour. Ob nun LEL, Mile Miglia, BMB, GOH 2024, GSR, MGM, SBS, HBK, … oder in 4 Jahren PBP, oder was es so an Super-Brevets im Weltkalender noch gibt; man kann es er-fahren 🙂 

in diesem Sinne  der dirk  im Ziel

 

Bilderalbum ( in Bearbeitung)

 

Und was bleibt?

 

♦ viele Fotos ♦ schöne Erinnerungen
♦ genußvolle Momente ♦ interessante Gespräche
♦ einzigartige Erlebnisse ♦ neue Radfreunde
♦ sehenswerte Landschaften ♦ persönliche Selbst-Erkenntnisse
♦ Stolz auf und  Anerkennung für die erbrachte Leistung
♦ 1x PBP-Warnweste
♦ eine schicke Finisher-Medallie mit der persönlichen Fahrrzeit als Auszeichnung und Erinnerungsstück
& ♦ natürlich 1240 absolvierte herausfordernde französische Radkilometer  🙂

 

Taube Finger und Zehn, brennende Fußsohlen, wunde Stellen (wo auch immer), Verkrampfungen und Erschöpfung u.Ä. können einige Begleiterscheinungen nach so einer Mammut-Radtour sein. Diese aufkommenden Ausfallerscheinungen sind ein Zeichen für die Anstrengungen während einer solchen Tour, können aber auch auf gewisse „Fahrfehler“ oder Trainingsdefizite (mit)beruhen. Ein gesunder Körper wird sich mit der Zeit davon nach und nach erholen und sich davon auch normalerweise restlos regenerieren. Zu Weihnachten, also nach 4 Monaten, ist alles wieder gut, wird gern als Zeitpunkt genannt.
Ein anderer, nicht unwichtiger Aspekt, ist das mentale Loch was sich nach PBP oder ähnlichen Touren auftun kann. Gegen den PBP-Blues gibt es kein Allheilmittel, kein Patentrezept. Hier muss jeder, genau wie während PBP, sein eigenes persönliches Konzept finden. 

 

Rambouillet, 24.08., 21:10 Uhr, kleines Gruppenfoto nach der Abschlußveranstaltung
Resümee

Auch wenn die ersten Fahrer wie Tour de France Sieger gefeiert wurden, und das auch noch regelwidrig!?, ist jeder PBP-Fahrer ungeachtet seiner Fahrzeit ein Gewinner, ob mit oder ohne offizielle Wertung. Ein Gewinner über diese (Tor) Tour, über all die Schwierigkeiten und Problemen die aufgekommen sind und bewältigt werden mussten. Aufgeben ist keine Option. Randonneure finden Wege und Möglichkeiten, andere Gründe. Und wen interssiert in einem halben Jahr noch die Zeit.

PARIS BREST PARIS  ist und bleibt ein einmaliges Fahr-Erlebnis für einen Randonneur, diese Atmosphäre und diesen Charakter gibt es bei keiner anderen gleichartigen Veranstaltung. Auch nicht so ein internationales kunterbuntes Fahrerfeld aus aller Welt – eben die Olympiade der Langstreckenfahrer.

Bleibt zu hoffen, dass PBP seinen Traditionen treu bleiben kann und der gewachsene Charakter erhalten bleibt.

Au revoir. Jusqu’en PBP 2027

ParisBrestParis 22.-26.August 2024
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Thomas G
6 Monate zuvor

TOP Leistung
Toller Bericht

Thomas
7 Monate zuvor

Tolle Berichte!